Lebenssituation von älteren Lesben und Schwulen

Ausgegrenzt und unsichtbar


In einem Duisburger Seniorenzentrum
zeigt das Theaterensemble „Gold und Eden“ in wenigen biografischen Szenen, was es heißt, als lesbische Frau oder als schwuler Mann zu altern: Jahrzehnte langes Versteckspiel, schwieriges Coming Out, Abwendung der Familie, das Gefühl, allein zu sein und schließlich die Folgen von AIDS. Die schwul-lesbische Laiengruppe gewährt Einblick in typische Erfahrungswelten und gibt Antworten auf die häufig gestellte Frage, was denn so anders sei, wenn Homosexuelle altern.

In einem Gepräch
berichtet eine 83jährige Rheinländerin über ihr Leben Ende der 50er Jahre: Immer wieder wurde ich gefragt: Hast Du denn keinen Freund? Warum bist Du noch nicht verheiratet? Damals wurde ich auch gelegentlich gefragt: Bist Du krank? Schließlich galt Homosexualität damals als Krankheit. Ich habe natürlich alles abgestritten. Aber ich spürte richtig das Ekelgefühl. Die Kolleginnen hatten gewiss die Vorstellung, dass mit mir etwas nicht stimmt. Und es ist unheimlich schlimm, mit so einem Makel rumzulaufen.

In Nordrhein-Westfalen
leben mindestens 230.000 Lesben und Schwule, die 65 Jahre und älter sind. Tendenz steigend! Für sie gibt es bislang kaum  Angebote. Weder die lesbisch-schwule Community, noch die Einrichtungen der offenen Seniorenarbeit sind vorbereitet auf gleichgeschlechtliche Lebensformen im Alter. Das ist aber nötig, denn Vielfalt im Alter heißt, unterschiedliche Lebensformen und Identitäten sichtbar zu machen und zu würdigen. Erforderlich ist auch eine innovative kultursensible Pflege, die sich auf die  Lebenssituationen von älteren pflegebedürftigen Lesben und Schwulen einstellt. 

Vielfalt im Alter
heißt auch, die älter werdende lesbisch-schwule Community als Zielgruppe für die moderne Quartiers- und SeniorInnenarbeit in Nordrhein-Westfalen zu gewinnen. Alle Verantwortlichen sind gefordert, das Thema aufzugreifen! Wenn sich MitarbeiterInnen von Nachbarschafts- und Seniorenzentren mit einer Lebensweise vertraut machen, die zunächst vielen von ihnen fremd ist, die manche vielleicht sogar ablehnen, ist ein erster wichtiger Schritt getan, um Diskriminierung abzubauen.