Akzeptierende Pflege und queere Altersforschung

Berlin. 30./31.1.2015 Während lesbische Frauen schon seit Jahrzehnten das Thema Alter diskutieren, fangen schwule Männer erst allmählich an, sich für die verschiedenen Facetten der sozialen Altersvorsorge zu interessieren. Auf der mit 70 Teilnehmenden gut besuchten Fachtagung „Schwul-lesbisches Wohnen im Alter – neue Wege in der Daseinsvorsorge(?)“ wurden Studienergebnisse vorgestellt und lebhaft diskuiert.  Im Mittelpunkt stand die über zwei Jahre angelegte Fallstudie „Gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Selbstbestimmung im Alter"  (GLESA) zum „Lebensort Vielfalt“ , einem Wohn- und Pflegeprojekt insbesondere  für ältere Schwule. Dass Forschungen unter dem Titel gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Alter oftmals de fakto auf schwulen Lebenswelten basieren, kritisierten einige Tagungsteilnehmerinnen.  Neben der  Kritik gab es auch viel Beifall für spannende Podiumsbeiträge.

Ute Bychowski vom Frankfurter Verband, Fachbereichsleiterin in der Pflege, überzeugte mit ihrem Plädoyer für  kultursensible Pflege. Es gehe darum, Unterschiede zu sehen, Bedürfnisse zu erkennen, Fragen zu stellen und Pflegende zu motivieren. Passend dazu erläuterte Manon Linschoten aus den Niederlanden den "Rosa Schlüssel", eine Art Toleranz-Check für die Zertifizierung lesben- und schwulenfreundlicher Alterseinrichtungen.

Neben Einblicken in  bestehende und geplante Wohnprojekte ging es vor allem um das weitere Vorgehen in der lesbisch-schwulen, aber auch queeren Altersvernetzung. Dass die Lebenswirklichkeit und das Altern von trans* noch viel zu wenig beachtet wird, wurde deutlich im höchst eindrucksvollen Vortrag von Justine Wodtke, ehrenamtlich aktiv im Berliner Sonntags-Club.

Immerhin signalisierte der Staatssekretär des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,  es sei Aufgabe des Staates, angemessene sensible und akzeptierende Pflege zu gewährleisten . „Wir wollen Ansprechpartner sein für Sie“ - entsprechend umringt von künftigen Antragsstellern war er im Anschluss....

Rüdiger Lautmann plädiert für ein gemeinsames Vorgehen der lesbischen und schwulen Interessensverbände. Carolina Brauckmann, Sprecherin des Dachverbandes "Lesben und Alter", schlägt Kooperationen vor. Die Gründung eines Bundesverbandes für ältere Schwule sei ein guter Anlass, sich zu vernetzen und wichtige Aufgaben gemeinsam anzugehen. (cb)


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